Handeln gegen Trägheit

Ein Therapiemanual für Gesundheit durch Aktivität

Alle im Bereich psychiatrischer Gesundheit Tätigen kennen die Situation, dass ihre Klienten infolge schwerer psychiatrischer Erkrankungen sich häufig schwer tun persönliche Ziele zu formulieren.
Entsprechend kommt es immer wieder zu dem Eindruck die Klienten seien nicht motiviert; sie wollten ihr Verhalten nicht ändern; sie können keine Pläne oder Empfehlungen umsetzen und wirken dadurch auf andere abgestumpft. In der Zusammenarbeit mit diesen Menschen zeigt es sich immer wieder, wie schwer es ist, sie aus dieser häufig schon lange bestehenden Trägheit herauszuholen.
Entweder wird die psychische Krankheit oder die Person selbst für diese Trägheit verantwortlich gemacht. In beiden Fällen bleibt das Gefühl von Machtlosigkeit und Frustration zurück. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass es nicht notwendig oder akzeptabel ist, die Trägheit einer Person als etwas Unveränderliches oder als „behandlungsresistent“ anzusehen.

Von daher stellt sich die Frage, wie es möglich wird, Passivität und Betätigungseinseitigkeit zu reduzieren und gesundheitsfördernde Aktivitäten aufzubauen?
2010 veröffentlichte Terry Krupa gemeinsam mit acht Kolleginnen in Kanada die englischsprachige Intervention Action over inertia (Handeln gegen Trägheit). Die Autoren, sowohl in der Lehre, als auch als praktizierende Ergotherapeuten in verschiedenen psychiatrischen Arbeitsfeldern, entwickelten damit die erste manualisierte ergotherapeutische Intervention für die psychiatrische Ergotherapie und erprobten diese im Rahmen einer Pilotstudie.
Waren zu Beginn Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung die Zielgruppe, wird das Programm heute in Kanada bereits mit Schmerzpatienten; Soldaten, die aus Kriegseinsätzen heimkehren; Menschen, die aus dem Erwerbsleben in die Ruhestand wechseln und Menschen mit kognitiven Einschränkungen eingesetzt.

Um was geht es?
Das Programm richtet sich Menschen deren Betätigungsbalance, beispielsweise aufgrund einer schweren psychiatrischen Erkrankung, ein Ungleichgewicht aufweist. Häufig sind Passivität, sozialer Rückzug, Bewegungsmangel, Teilhabeeinschränkungen oder Betätigungseinseitigkeit die Folge. Mit Unterstützung der Ergotherapeutin sollen sie durch einen strukturierten Therapieprozess ihre Aktivitätsmuster so verändern, dass sich die Betätigungsbalance, Wohlbefinden und Teilhabe trotz krankheitsbedingter Einschränkungen verbessern. Das Programm folgt damit auch aktuellen recoveryorientierten Ansätzen. Das Manual stellt dafür umfangreiche Hilfsmittel für die Therapie zur Verfügung, unterstützt die Strukturierung des therapeutischen Prozesses und die Zusammenarbeit.
Handeln gegen Trägheit baut auf dem Canadian Model of Occupational Performance and Engagement (CMOP-E) auf, hat eine starke Klientenzentrierung und eine durchgängige Alltagsorientierung. Der Referent hat das Manual komplett ins Deutsche übersetzt, kulturell angepasst und Rahmen einer Pilotstudie dessen Anwendbarkeit überprüft.

Das Therapieprogramm lässt sich aufgrund der Struktur und der Ressourcenorientierung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich anbieten. Die Durchführung als Einzeltherapie ist sinnvoll, eine Anpassung an die eigenen Rahmenbedingungen ist jedoch möglich. Es erfordert keine besonderen Rahmenbedingungen und kann überall eingesetzt werden, wo mit (chronisch) psychisch kranken Menschen gearbeitet wird.

Inhalte:

  • theoretischen Grundlagen zum Therapieprogramm
  • Vorstellung der Therapiematerialien anhand von Fallbeispielen
  • Vertiefung der Inhalte in Gruppenarbeiten
  • Erfahrungen des Referenten

Literatur: Krupa, T. et al. (2016). Handeln ermöglichen – Trägheit überwinden. (Pfeiffer, A., & Höhl, W. Trans.) (1., 2017th ed.). Idstein: Schulz-Kirchner.

Auf dem Weltkongress der Psychiatrie in Berlin wurde das Therapieprogramm Handeln gegen Trägheit, die dazugehörige Pilotstudie und unser Schulungskonzept mit dem Preis für Pflege- und Gesundheitsfachberufe in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik 2017 der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ausgezeichnet.
Hinweis: Die Literatur ist nicht Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs, jedoch zur Anwendung des Trainings in der Therapie notwendig.

Das hat bisherigen Teilnehmern besonders gut gefallen:
"lohnt sich ganz sicher!", "viel lebenswelt- und alltagsorientierte Praxis und Theorie", "kurzweilige Fortbildung", "sehr kompetenter Dozent", "die Beispiele aus dem Alltag", "würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen", "Referent gestaltet die Fortbildung sehr spannend und bringt viel Berufserfahrung mit ein", "Aktualität", "eine Bereicherung für meinen Arbeitsalltag", "Klientenzentriertheit, Praxisnähe", "super Atmosphäre", "es lohnt sich, diesen Kurs zu machen!", "wertschätzende, wohlwollende Art des Referenten und das fundierte Fachwissen", "Bereicherung", "die lockere Atmosphäre", "sehr praxisnah", "Vermittlung neuer wissenschaftlicher Ansätze", "unbedingt weiter verbreiten!", "die vielen praxisbezogenen Hinweise", "angenehme Räume", "gerne mit Fragen in die Fortbildung gehen, sie werden gut beantwortet", "für die Arbeit eine tolle Ergänzung", "sehr lohnenswert und mitreißend"

Referenten:
Andreas Pfeiffer
Ergotherapeut MSc., LVR Klinikum Düsseldorf, Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Termine:
Keine nachfolgenden Termine gefunden
Dauer:
2 Tage
Lehreinheiten:
16 (Eine Lehreinheit entspricht 45 Minuten)
Fortbildungs-
punkte:

16
Anmeldefrist:
4 Wochen vor Kursbeginn
Kosten:
260,00 €
Teilnehmer:
Ergotherapeuten