Narrative Praxis
Verborgene Geschichten bergen
Wir leben in Bedeutungen! Sei es, dass wir sie in der Welt vorfinden („Als guter Schüler muss ich still sitzen und alles verstehen“) oder dass wir sie selbst erfinden („Ich bin nicht wert, dass man mich mag“). Diese Ideen über uns selbst prägen anschließend wiederum unser Erleben, und wir sortieren unsere Erfahrungen entlang dieser „Geschichten“.
Aber was tut man, wenn diese Geschichten einen unglücklich machen? Wenn sie andere Dinge verdecken, die wir auch erleben? Hier kommt die Narrative Praxis ins Spiel, dem Ansatz nach den Australieren Michael White und David Epston: Helfen Sie Ihren Klienten, die eigene Geschichte neu und detaillierter zu erzählen, sodass Aspekte der Person sichtbar werden, für die in den bisherigen Geschichten kein Platz war.
Der Narrative Ansatz ermöglicht in vielen Kontexten und unabhängig vom Thema Gespräche, die sich nicht an Diagnostik und Heilung orientieren, sondern Raum geben, sich in der eigenen inneren Landschaft umzuschauen und neues zu entdecken. Diese gemeinsame Reise gleicht einem ganz normalen (tiefen!) Gespräch und ist weniger eine Methode als vielmehr eine besondere Art des Interesses an den nicht erzählten Geschichten der anderen Person.
Wir werden uns an diesen zwei Tagen exemplarisch auch mit Neurodiversität und Depression beschäftigen. Neurodivergente Menschen erleben häufig, dass die gesellschaftlichen Narrative nicht zu dem passen, was sie selbst erleben (Stichwort „wrong planet syndrome“). Hier kann der narrative Ansatz helfen, die eigenen, besser passenden Narrative zu schildern und dadurch verfügbar zu machen. Menschen, die unter einer Depression leiden, erleben oft, dass die Depression vieles entwertet, das einem eigentlich am Herzen liegt. Diesen verschütteten Elementen im Gespräch Raum zu geben, ihrer Geschichte und den Verbindungen zu anderen Personen nachzuspüren, ermöglicht neue Narrative.
Ablauf:
Am ersten Tag geht es um eine Einführung in die Metapher des Narrativs, also die namensgebende Idee, dass Menschen ihre Erfahrung in Geschichten organisieren. Die tatsächlichen Erfahrungen sind so umfassend und vielgestaltig, dass wir natürlich vereinfachen und bündeln: anschließend prägen diese Geschichten wiederum unser Erleben, weil wir jenes wiedererkennen, was uns aus Geschichten bekannt ist. Weiterhin wird die Externalisierung als grundlegende Technik der narrativen Praxis eingeführt.
Am zweiten Tag widmen wir uns den “Unique Outcomes”, also Elementen in der Erzählung, die so gar nicht zur (oft sehr mächtigen) Problemgeschichte passen. Außerdem wird in die Idee der Positionierung eingeführt – dabei werden Menschen darin unterstützt, ihre Haltung und Perspektive zum Problem zu finden und genau zu beschreiben. Hierzu werden Methoden vorgestellt, die Personen dabei helfen, ihre Position zu finden und reichhaltig zu beschreiben.
Inhalte:
- Einführung in den Narrativen Ansatz nach White & Epston
- Vorstellung von Methoden für neue Narrative
- Erprobung und Selbsterfahrung des Ansatzes





