ZEPS

Zugehörigkeit erleben. Perspektive schaffen.

Ein neues ergotherapeutisches Gruppenkonzept zur Förderung von Partizipation!

Rahmenbedingungen:
Das ZEPS ist in allen psychiatrischen Settings einsetzbar (Langzeit, Rehabilitation und Akutbereich). Es lässt sich leicht an die institutionellen Anforderungen bzw. Möglichkeiten einfügen. Die Einheiten können daher aufbauend oder in sich abgeschlossen durchgeführt werden. Eine Gruppeneinheit entspricht einer Stunde Therapiezeit.

Ergotherapeutischer Zugang zur Problemstellung:
Psychische Erkrankungen beeinträchtigen die Ausführung sozialer Handlungsrollen und führen zu Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben (Lischka, 2009). Die Ergotherapie hat den klaren Auftrag Menschen in ihrer sozialen Teilhabe zu unterstützen. Da zum momentanen Zeitpunkt nur wenige Instrumente mit dieser Zielsetzung bekannt sind, wurde dieses Konzept entwickelt. Es setzt an der Einschränkung der sozialen Teilhabe an.

Als betätigungsorientiertes und alltagsnahes Instrument werden soziale Alltagsaktivitäten und themenzentrierte Gesprächsrunden genutzt. Im Fokus steht hierbei ein absolut druckfreier Zugang, das Erleben von einer gemeinsamen Aktivität und das zugehörig Fühlen, welches auch nach Maslow ein essentielles Grundbedürfnis darstellt. Hierbei handelt sich um einen Top-Down Zugang und nicht um ein „klassisches Social-Skills-Training“.
Da es sich um eine sehr breite Zielgruppe – von leichten Schwierigkeiten bis hin zur sozialen Isolation bzw. Exklusion – handelt, war es wichtig, zwei unterschiedliche Zugänge (Ansatz 1 und Ansatz 2) in Hinblick auf die Gruppe zu schaffen. Weiters zeichnet dieses Konzept aus, dass auch Menschen welche noch nicht als gruppenfähig gelten zur Zielgruppe gehören. Im Rahmen eines Einzel-Settings wird ihnen eine erste Form der sozialen Partizipation ermöglicht, indem vorbereitende Tätigkeiten im Hinblick für die Gruppe durchgeführt werden. Durch diesen Ansatz wird ihnen die erstmalige Teilnahme an einer Gruppe nachweislich erleichtert.

Kurz zu den zwei Ansätzen:
Bei Ansatz 1 führen KlientInnen gemeinsam eine alltagsnahe soziale Aktivität im Gruppensetting durch. Im Fokus stehen hier das Erleben von Zugehörigkeit und positiven Erfahrungen innerhalb einer Gruppe, sowie die Reduktion von sozialen Ängsten.Hierbei handelt es sich um einen niederschwelligen Zugang.
Im Zuge einer Gruppe nach Ansatz 2 werden durch themenzentrierte Gesprächsrunden konkrete Handlungsrollen bearbeitet. Die Themen orientieren sich an den jeweiligen Ressourcen und Problembereichen der KlientInnen, zum Beispiel Tagesstruktur, Freizeit oder Produktivität.
Ziel dieses zweiten Ansatzes ist es, ein Bewusstsein über die vorhandenen, verlorenen bzw. neuen Handlungsrollen zu schaffen. Um an den zum Vorschein gekommenen Bedürfnissen ansetzen zu können, gibt es sowohl bereits in der Gruppe die Möglichkeit, Ideen auszutauschen, sowie im Anschluss im Rahmen einer Einzel-Intervention im jeweiligen Fachbereich daran anzuknüpfen. Hierbei handelt es sich um einen höherschwelligen Zugang, da hier vom Reflexionsvermögen der TeilnehmerInnen profitiert werden kann.

Zu den Grundprinzipien des Konzeptes zählen:
Peer-Effekt, Alltagsnähe, Betätigungsorientierung, KlientInnenzentrierung, Empowerment, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit.
Als innovatives und praktikables Gruppenkonzept entspricht das ZEPS dem Zeitgeist moderner Ergotherapie. Es zeichnet sich durch eine einfache Umsetzung aus, was besonders im psychiatrischen Fachbereich ein wichtiges Thema ist, wo es oft nicht einfach ist, jahrelang bestehende Strukturen zu verändern bzw. durch alltagsnahes Arbeiten zu bereichern. Zudem soll es einen Beitrag zur Unterbrechung der „Drehtür-Psychiatrie“ leisten und dadurch einen nachhaltigen Ansatz bieten.

Aufbau der Fortbildung:
Den TeilnehmerInnen dieser Fortbildung werden evidenzbasierte Grundlagen, sowie der theoretische Hintergrund zum ZEPS-Konzept präsentiert.
Ein weiterer Schwerpunkt wird die Anwendung und Durchführung dieser Gruppenintervention sein. Auf die beiden Ansätze, sowie auf die verschiedenen Methoden wird im Speziellen eingegangen.
Zusätzlich bieten wir die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Selbsterfahrung in die Situation der/des KlientIn hineinzuversetzen.
Wie eine Umsetzung des ZEPS-Konzeptes im beruflichen Alltag gelingen kann und welche Möglichkeiten die Ergotherapie im psychiatrischen Setting hat, sollen Inhalte einer Diskussion werden.

Weitere Inhalte:

  • Grundlagen und Anwendung des Konzeptes (Manual wird den TeilnehmerInnen zur Verfügung gestellt)
  • Praktische Anwendung – Methoden, Interventionen, therapeutische Haltung, usw.
  • Auswirkungen von psychischen Erkrankungen auf soziale Handlungsrollen (und umgekehrt – fehlende soziale Handlungsrollen auf Gesundheit)
  • Wichtige und häufige Ziele in der ergotherapeutischen Arbeit im Arbeitsfeld Psychiatrie
  • ZEPS als Chance zur Interdisziplinären Zusammenarbeit

Pressemitteilung der FH Wiener Neustadt zum ZEPS

Referenten:
Belinda Geier
Sonderschullehrerin (BEd.), Ergotherapeutin BSc. im therapeutischen Tageszentrum des PSD Wien Favoriten
Termin:
Fr, 15. März 2019 10:00 Uhr - 17:30 Uhr
Dauer:
1 Tag
Lehreinheiten:
8 (Eine Lehreinheit entspricht 45 Minuten)
Fortbildungs-
punkte:

8
Anmeldefrist:
4 Wochen vor Kursbeginn
Kosten:
130,00 €
Teilnehmer:
Ergotherapeuten